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Berufsbildungszentrum in Ouagadougou

 

Das im Jahr 2007 gegründete Ausbildungszentrum (Centre métiers) - Galerie Centre Metier - befindet sich im Viertel Nioko 1 in der Kommune Saaba (commune rurale de Saaba) am Stadtrand Ouagadougous, der Hauptstadt Burkina Fasos, wo es kaum Werkstätten mit Ausbildungsplätzen,  geschweige denn ein Ausbildungszentrum gibt. Noch prekärer ist die Ausbildungssituation im ländlichen Raum.

 

Ausgebildet werden z.Zt. Jugendliche aus den sogenannten „Non-Loti-Vierteln“ Ouagadougous und umliegenden Dörfern. Dies sind im Zuge der fortschreitenden Urbanisierung entstandene illegale Ansiedlungen ohne jede Infrastruktur, die zu den ärmsten Vierteln der Hauptstadt zählen. Sobald einfache Schlafräume fertig gestellt und alle weiteren notwendigen  Bedingungen  geschaffen sind,  besteht auch für Jugendliche aus den Dörfern des nahe gelegenen Departements Boussouma, einem der rückständigsten des Landes, die Möglichkeit, die Ausbildungsangebote wahrzunehmen. Dies ist insbesondere für Mädchen wichtig, da lange Wege für sie weitaus gefährlicher sind als für Jungen und die Familien eine Ausbildung sonst ablehnen.

 

Aufgenommen werden ausschließlich Jugendliche, denen der Zugang zu „traditioneller“ Berufsbildung verwehrt ist, da sie aus völlig mittellosen Familien stammen und deswegen das für eine Ausbildung übliche Lehrgeld nicht bezahlen können. Staatlich geförderte Berufsausbildung gibt es nicht.

 

Es werden Ausbildungsgänge für Schneiderei, Hauswirtschaftslehre, Bürotechnik, Tischlerei, Schlosserei, Mechanik, Elektrik, Bauhandwerk, Schweißen, Klempnerei sowie  Motor- und Fahrradreparatur angeboten. Die Ausbildungslehrgänge variieren zwischen sechs Monaten und drei Jahren. Zurzeit lernen 80 Azubis, davon 32 Mädchen, im Zentrum. Jährlich werden 15 bis 20 Jugendliche die Ausbildung beenden. Die ersten Absolventen werden im Sommer 2013 ins Berufsleben starten.

 

Die Eltern der Auszubildenden werden in den Ausbildungsprozess begleitend ein-gebunden, um einen erfolgreichen Abschluss der Ausbildung durch Verständnis und Unterstützung in den Familien zu sichern. Dies ist wegen der hohen Analphabetenrate besonders wichtig, so sind z.B. 99 % der Mitglieder des Elternbeirates Analphabeten. Deshalb plant Bangr Nooma, auch für die Eltern der Auszubildenden Alphabetisierungskurse anzubieten.

 

Alle Ausbildungsgänge stehen grundsätzlich Jungen und Mädchen offen. Damit, aber vor allem mit der Möglichkeit, überhaupt eine Berufsausbildung zu absolvieren und nach erfolgreichem Abschluss der Ausbildung eigener Erwerbsarbeit nachgehen zu können, werden traditionelle Geschlechterrollen aufgebrochen. Dabei ist Bangr Nooma mit der nach wie vor weit verbreiteten traditionellen Vorstellung konfrontiert, dass sich die Investition in die Ausbildung von Mädchen nicht lohne, da diese heiraten, die väterliche Familie verlassen, um einer anderen Familie zu dienen, und die Investitionen somit verloren sind.

 

Angesichts ihrer sich zunehmend verändernden Lebenssituation ist in der jungen Generation ein Umdenken zu verzeichnen. Jedes Erwerbseinkommen ist in den Familien dringend erforderlich, was die Position der Mädchen und Frauen deutlich verbessert. Sie können so ein neues Bewusstsein für die Wichtigkeit ihrer Rolle in Familie und Gesellschaft entwickeln.

 

In die Ausbildung sind neben fachspezifischen Inhalten auch Themen eingebunden, die besondere gesellschaftliche Brisanz haben und geeignet sind, positive Entwicklungen in den Familien der Auszubildenden zu ermöglichen. So sind Aufklärung zu Hygiene und Familienplanung genauso im Lehrplan enthalten, wie der Schutz gegen HIV-Infektion, das Aufbrechen der gesellschaftlichen Stigmatisierung HIV-positiver Menschen und Aids-Kranker. Ein Schwerpunkt der Aufklärung betrifft den Kampf gegen die Genitalverstümmelung.

 

Nach Beendigung der Ausbildung werden die Absolventen beim Start ins Berufsleben unterstützt. Da es kaum Anstellungsmöglichkeiten gibt und die Familien keine finanziellen Möglichkeiten haben, wird der Start in die Selbständigkeit unterstützt. Bangr Nooma bleibt Anlaufpunkt für die „Ehemaligen“. Im Rahmen der Aufklärungsarbeit von Bangr Nooma werden sie als Multiplikatoren wirken.

 

Daneben leistet das Zentrum Aufklärungsarbeit in den umliegenden Wohnge-bieten zu den Themen Frauenrechte, Genitalverstümmelung, Gesundheit, Sexualaufklärung, Frühverheiratung, Frühschwangerschaft, Vergewaltigung, sexuelle Belästigung und Kindermissbrauch.

 

Das Zentrum wird  v.a. aus Spenden und Einkünften aus dem Verkauf von durch die Auszubildenden hergestellten Waren und Dienstleistungen finanziert. Die Eltern zahlen einen geringen Pauschalbeitrag für die Pausenversorgung, die Ausbildung ist kostenlos.

 

Zur persönlichen Überprüfung des Projekts reist jährlich ein Vereinsmitglied auf eigene Kosten nach Ouagadougou. Auch anderen Unterstützern steht jederzeit die Möglichkeit offen, sich vor Ort über die Arbeit des Projekts zu informieren.